Selbstgemachter Vanille-Extrakt

Als ich vor etwa einem dreiviertel Jahr das erste Mal ein amerikanisches Rezept für Cupcakes in den Händen hielt, scheiterte ich relativ schnell. Nicht an der Sprache, auch nicht an den Maßeinheiten. Nein, ich scheiterte an dem geforderten Vanille-Extrakt, von dem ich zuvor nie etwas gehört hatte. Also habe ich den Extrakt zunächst durch schnöden Vanille-Zucker ersetzt, bis ich des ungleichen Tauschpartners überdrüssig war und mich im WWW auf die Suche nach dem Zauber-Zeug begab. Die Ernüchterung kam auf dem Fuße. Bitte? 8€ für 50ml? Das ist es mir nicht wert - vor allem, wenn man nicht mal genau weiß, ob dieser Extrakt während seiner Herstellung überhaupt jemals eine Vanille-Schote gesehen hat.

Also habe ich weiter recherchiert und bin auf das Rezept von Steph aus dem Kuriositätenladen gestoßen, das ich gleich ausprobiert habe. Das ist nun knapp 9 Monate her und der erste Extrakt hat also bis jetzt gereicht. Bei der Herstellung des neuen Extrakts habe ich nun auch an euch gedacht und möchte das Rezept gern mit euch teilen.



Zutaten: 
(für knapp einen halben Liter Extrakt)

  • 50 g Vanilleschoten (ich bestelle meine Schoten immer bei Madavanilla, dort gibt es 100 g Bruchvanille für aktuell nicht mal 10 €)
  • 250 ml 70%iger Alkohol (aus Liebe zum Vanille-Aroma verwendet bitte keinen Vodka, Rum oder Korn, diese Schnäpse schaffen es durch den niedrigeren Alkoholgehalt nämlich nicht so gut, das ganze Aroma aus der Schote zu holen und haben zudem einen starken Eigengeschmack. Die bessere Lösung ist Prima Sprit, den gibt es in den meisten größeren Supermärkten)
  • 250 ml Wasser

Zubereitung:

Die Vanilleschoten aufschlitzen und das Mark auskratzen. Dieses dann in ein verschließbares Glas (in das wenigstens 300 ml Masse passen) geben. Die Schoten etwas klein schneiden und mit Hilfe eines elektrischen Zerkleinerers so fein wie möglich häckseln.


Die zerkleinerten Schoten dann zum Mark geben und das Ganze mit dem Prima Sprit auffüllen. Das Glas fest verschließen. Der Alkohol hat nun 2 Wochen Zeit, dem Rohstoff das maximale Aroma zu entziehen (die sog. Mazertaion). Ihr habt in den nächsten 14 Tagen folgende Aufgabe: das Glas bitte 2x am Tag schütteln.

Sind die 2 Wochen vergangen, wird die Flüssigkeit durch ein feines Sieb abgeseiht (wenn nötig auch nochmal durch ein Molton-Tuch). Die Flüssigkeit ist bisher braun und sehr klar, fast wie ein dunkler Rum.


Den Satz in einen kleinen Topf geben und mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. Das darf nun ganz in Ruhe komplett abkühlen. Dann wieder abseihen und zusammen mit der bisher erhaltenen Flüssigkeit in eine gut verschließbare Flasche füllen (ich freue mich jedes Mal über meine tolle Apothekerflasche mit Ausgießerkorken). Fertig!

500 ml des Extrakts haben übrigens einen Preis von ca. 10 Euro. Das ist ein Witz im Gegensatz zu den Varianten, die es in diversen Online-Shops zu finden gibt und es duftet himmlisch und schmeckt verarbeitet im Kuchen wahnsinnig lecker. Hübsch in kleinen Flaschen verpackt, ist es übrigens auch ein prima Geschenk aus der Küche. 

Es grüßt lieb: Mella